Buchtipp: Mark Watson – „Hotel Alpha“

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Über Menschen im Hotel lassen sich viele Geschichten erzählen. Das wussten schon Arthur Hailey, dessen Roman „Hotel“ Vorlage für die gleichnamige TV-Serie in den 1980er wurde oder Vicky Baum. Mark Watson nimmt uns nun mit ins „Hotel Alpha“.

Im London der Roaring Sixties wird es mit viel Tam-Tam von Howard York eröffnet. Das Fünf-Sterne-Haus wird binnen kurzer Zeit zu einer Institution. Wer was auf sich hält, logiert im „Alpha“. Der smarte Howard und seine Frau Sarah-Jane sind der Dreh- und Angelpunkt der Gesellschaft. Doch die gute Seele des Hauses ist eindeutig Graham. Concierge vom Tag der Eröffnung an, hat er die Geschicke des Hotels, des Personals und der Gäste immer im Blick.

Graham ist es auch, der die Geschichte des „Alpha“ vor dem Leser auffächert. Zumindest, was seine Sicht der Ereignisse aus fünf Jahrzehnten betrifft. Denn es gibt noch einen Erzähler: Chas. 1984 kam er mit seiner Mutter ins „Alpha“. Es gab einen verheerenden Brand, bei dem sie umkam. Chas wurde gerettet, ist seitdem jedoch blind. Howard York und seine Frau beschlossen den Jungen, der mit einem Schlag zum Waisen geworden war, aufzunehmen. So wächst Chas behütet, aber weitgehend abgeschieden von der Öffentlichkeit, im „Alpha“ auf und mausert sich mit den Jahren zum Computer-Genie.

Mark Watson lässt Graham und Chas abwechselnd die Jahre im Hotel Revue passieren. Geschickt verwebt er dabei die Fiktion mit tatsächlichen politischen, geschichtlichen und kulturellen Ereignissen. So muss Graham erleben, wie die Technik in das alt ehrwürdige Hotel einzieht. Seine akribisch geführten Gästebücher von einem Computerprogramm abgelöst werden und die Gäste ihr Telefon immer dabei haben und ihn nicht mehr um Reservierungen oder Vermittlungen bitten.

Auch Chas verändert sich. Wandelt sich von zurückhaltenden Jungen, für den der Mikrokosmos Hotel der Nabel der Welt war, zu einem selbstbewussten PR-Genie, das die Kampagne für die Vergabe der Olympischen Spiele nach London mit gestaltet.

Mark Watson schafft es, dass einem die verschiedenen Figuren ans Herz wachsen. Dabei erzählt er seine Geschichten nie ganz aus, sondern lässt Raum für Spekulationen, greift lose Fäden später wieder auf und lässt den Leser beim Zuklappen des Buches wünschen zu erfahren, wie es mit Graham, Chas, den Yorks und dem „Alpha“ wohl weitergehen wird.

Zwar ist die Handlung des Romans in sich abgeschlossen. Wer mag kann aber sowohl am Ende des Buches noch ein paar weitere Kurzgeschichten über einige der Protagonisten lesen, als auch im Internet auf der Homepage des Autors http://www.hotelalphastories.de noch weiter in die Welt des „Alpha“ eintauchen. Denn dort hat Watson über 100 weitere Kurzgeschichten veröffentlicht, die verschiedene Handlungsfäden wieder aufnehmen und weiterspinnen.

 

Claudia Hötzendorfer

 

 

Buchtipp:

Hotel Alpha von Mark Watson

Hotel Alpha von Mark Watson

 

Mark Watson

Hotel Alpha

(Heyne 2015, 352 S., € 19,99)

 

 

© 2015 by Claudia Hötzendorfer – Silent Tongue Productions

 

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