Interview Doro – Gern noch weitere 30 Jahre

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Feste soll man feiern, wie sie fallen und zum feiern hat Doro Pesch in diesem Jahr allen Grund. Die Düsseldorferin zelebriert nicht nur ihr 30. Bühnenjubiläum mit zwei Konzerten am kommenden Wochenende, auch ein runder Geburtstag wirft seine Schatten voraus.

Für ihre Jubelshows in der Düsseldorfer CCD-Stadthalle hat sich Doro nicht nur prominente Unterstützung auf die Bühne geladen, darunter Biff Byford von Saxon oder die Rocker von Lordi. Ihr Konzert „Classic Night“ am Freitagabend bestreitet die nur 1,54 m große Rockröhre mit einem 35-köpfigen Orchester. „Classic Night heißt nicht, dass wir es nicht krachen lassen“, beruhigt Doro ihre Fans. „Im Gegenteil, zusammen mit meiner Band werden wir ein zweieinhalbstündiges Feuerwerk entfachen, bei dem manche Songs sogar noch mehr Druck und Power entfalten als bei den gewohnten Rockshows.“

An Tagen wie diesen, gratulieren auch die toten Hosen dem Düsseldorfer Metal-Export. Trommler Vom Ritchie verstärkt Doros Band am Samstag und hat sich zusammen mit ihrem Stamm-Schlagzeuger Johnny Dee eine Überraschung für die Frontfrau mit der Reibeisenstimme ausgeheckt, wie sie Culture & Spirit vorab verriet.

Wenn man Doro Pesch live erlebt, bekommt man eine Vorstellung davon, wie die energiegeladene Blondine es geschafft hat, sich über drei Dekaden in einem beinharten Business zu halten. Die Metal-Szene ist eine Männerdomäne. Frauen bekommen nur äußerst selten einen Fuß in die Tür.

Mitte der 1980er machte Doro Pesch als Sängerin der Hard Rock Formation Warlock erstmals von sich reden. Die gelernte Grafikdesignerin und Schriftsetzerin sammelte mit ihrer Band erste internationale Erfahrungen und zog 1986 nach New York. Dort lebt sie bis heute, hat sich aber ein Standbein am Rhein bewahrt und eine Wohnung in Düsseldorf behalten. Ein Jahr nach ihrem Wechsel in die USA startete sie als Doro eine Solokarriere. In ihrer über drei Jahrzehnte währenden Karriere hat Doro immer wieder mit Metal-Größen wie Lemmy Kilmister von Motörhead zusammengearbeitet und auch mal außergewöhnliches gewagt, wie mit dem Düsseldorfer Symphonieorchester kooperiert oder für den Spielfilm „Anuk“ vor der Kamera gestanden.

Am 3. Juni wird Doro Fünfzig und eins ist klar, auch dann wird sie es wieder so richtig krachen lassen.

Sie leben in New York und Düsseldorf, sind aber auch sehr viel auf Tournee. Was bedeutet Heimat für Sie und wie wichtig ist es für Sie, Ihre Wurzeln in Düsseldorf zu behalten?

Der Großteil meines Lebens findet ja immer noch im Tourbus statt. Ich würde es also so formulieren: die Welt ist meine Heimat und die Fans sind meine Familie. Ich komme gerade erst von einer Konzertreise durch Südamerika zurück. Die Fans dort waren großartig. Aber die großen Jubiläen feiere ich – so wie jetzt das 30-Jährige – traditionell in Düsseldorf. Es ist schön, wieder einmal hier zu sein, zumal meine Mum ja hier lebt. New York ist meine spirituelle Heimat, dort kommen mir die besten Ideen, schreibe ich die besten Songs vor meinem Häuschen am Strand von Long Island.“

Sie sind inzwischen 30 Jahre erfolgreich im Musikgeschäft. Davon können viele nur träumen. Wie hält frau es so lange in einem eher von Männern dominierten Genre wie dem Hard Rock aus und was hat sich rückblickend am meisten in der Metal-Szene verändert?

Es kommt mir gar nicht vor wie 30 Jahre. Ich fühle mich immer noch wie mit 25 und liebe die Musik immer noch genauso. Geändert hat sich vor allem, dass es heute viel mehr Frauen in der Rock- und Metal-Szene gibt als früher – und zwar auf und vor der Bühne. In den 80er Jahren lag der Frauenanteil bei Konzerten bei höchstens 10 Prozent, heute ist das Publikum total gemischt, auch was das Alter angeht. Ich selbst habe es nie als etwas so Besonderes empfunden, als Frau im Metal-Bereich unterwegs zu sein. Die männlichen Kollegen haben mich immer total unterstützt, ich hatte es nie schwerer oder leichter als die Jungs in dem Geschäft.“

In diesem Jahr steht neben 30 Jahren Bühnenjubiläum auch ein runder Geburtstag an. Als Sängerin führen Sie einen eher toughen Lebensstil, für den Sie immer fit sein müssen. Können Sie sich vorstellen auch mit 60 oder wie manche Musikerkollegen sogar mit 70 die Bühne noch zu rocken?

Wie gesagt. Ich fühle mich wie 25 und will noch so lange auf der Bühne stehen wie der liebe Gott und die Fans das zulassen. Von mir aus gerne noch weitere 30 Jahre. Das geht aber echt nur, wenn man auf sich und seine Gesundheit achtet. Ich rauche nicht mehr, trinke so gut wie keinen Alkohol und Drogen waren bei mir persönlich immer tabu. Ich esse kein Fleisch und habe eine neue tolle Sportart für mich entdeckt: Kung Fu – das hält Körper, Geist und Seele fit.“

Es wird zwei Jubel-Konzerte geben. Eines davon, am Freitag mit großem Orchester. Nicht Ihre erste Zusammenarbeit mit den Kollegen aus dem Klassikfach. Was reizt Sie an dieser Kombination und worauf dürfen sich Ihre Fans am Wochenende freuen?

„Eine „Classic Night“ mit Orchester haben wir zuletzt vor zehn Jahren auf die Bühne gebracht. Das war ein toller Erfolg und fühlte sich auch richtig gut an. Zum 30-jährigen Bühnenjubiläum bringen wir die Show nun am Freitag noch einmal exklusiv nach Düsseldorf. Meine Band und ich treten dort mit einem 35-köpfigen Orchester auf. Da ist Gänsehaut-Feeling garantiert. Dieses Konzert ist auf jeden Fall auch etwas für Menschen, die mit harter Rockmusik sonst nicht so viel anfangen können. Die Balladen werden durch das Orchester noch ein Stück gefühlvoller und die Rocksongs erhalten teilweise noch mehr Druck durch die enorme Power des Orchesters. Das wird ein toller Abend.“

„An Tagen wie diesen…“ sind auch die Hosen nicht weit, lese ich auf Ihrer Homepage. Hosen-Drummer Vom Ritchie wird Ihr Line up beim Konzert verstärken.

Vom Ritchie ist ein Kumpel meines langjährigen Schlagzeugers Johnny Dee. Die beiden haben sich für unsere Rock-Show am Samstag einige Überraschungen einfallen lassen. Was die Jungs da genau vorhaben, weiß ich selber nicht, wird aber bestimmt cool. Die Rockshow am Samstag ist ja schon seit längerem ausverkauft, aber auch bei der „Classic Night“ am Freitag präsentieren wir den Zuschauern tolle Stargäste wie Blaze Bayley den Ex-Sänger von Iron Maiden oder Udo Dirkschneider (früher Accept).“.

Das Interview führte Claudia Hötzendorfer

Doro feiert ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum am 2. und 3. Mai in der Düsseldorfer CCD-Stadthalle. Die Show am Samstag ist bereits ausverkauft. Für die „Classic Night“ am Freitag gibt es noch Restkarten an der Abendkasse, sowie die Möglichkeit das Konzert als kostenpflichtigen Livestream über www.stageit.com anzusehen.

weitere Infos unter: www.doro.de

 

 

© Claudia Hötzendorfer 2014 – Silent Tongue Productions

  

 

2 Kommentare

  1. Doro Pesch ist für mich nach wie vor eines der größten Rätsel in der Geschichte der Pop-Musik. Sie hatte in 30 Jahren nicht einen richtigen Hit in einer, dem Untergang prophezeiten Musikrichtung, dem HeavyMetal. Profitiert sie wohlmöglich von der Frauenquote? Nicht, dass ich ihr das missgönne. Jeder hat seine Fans … ob Heino oder Bob Dylan. Doro ist allerdings auch keine begnadete Sängerin. Wahrscheinlich zählt ihre Ausdauer und Präsenz in diesem harten Business. Genau wie bei Heino (der hatte allerdings etliche Hits).

    • Doro ist keine Poptante! Das ist auch einer der unzähligen Gründe warum ich ein Fan und so viele andere Fans von ihr sind. Sie liebt was Sie tut und steht für was, Doro lebt den Meta, egalwas Sie macht ob Ballade oder Hymne,Und Sie hat Hits,das sind Evergreens,zeitlos eben.Musik die ewig hält,ist eben kein Kommerz.

      Und Singen kann sie sehr gut nach meiner Ansicht,aber alles ist Geschmacksache,sie hat so viele Platten verkauft,ich steh also nicht alleine da mit dieser Ansicht.

      Wer auf eines ihrer Konzerte geht oder war,wird sich wundern bzw.sind die Augen und Ohren aufgegangen,denn diese Künstlerin hat Persönlichkeit,Power und Konstanz,DESWEGEN hat sie ZURECHT über 30 Jahre Erfolg.
      Wer All we are kennt,kann Doro nur zugestehen dass die Queen sehr wohl singen kann!

      Gruß ein Metalhead

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