Interview: Patric Heizmann – „Umdenken hilft!“

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Stressfrei fit und gesund bleiben? Wie das geht, verrät Ernährungs-Comedian Patric Heizmann in seinem aktuellen Live-Programm.

Wieso funktionieren die meisten Diäten nicht? Warum klappt es nicht mit dem guten Vorsatz regelmäßig Sport zu treiben? Und wieso hängt die Stimmung im Dauertief fest, weil Schokolade und Nudeln vom Speiseplan gestrichen sind? Wir setzen uns selbst unter Druck, eifern einem Ideal nach, das die Medien uns vorgaukeln. Es geht auch anders findet Patric Heizmann. Der Ernährungs- und Fitnessexperte hat ein Bühnenprogramm entwickelt, das auf witzige Weise die Grundbausteine einer gesunden Lebensweise vermittelt. Das ganze Geheimnis: Die Einstellung macht’s! In kleinen Schritten gelangt jeder ans Ziel und niemand muss sich die Laune verderben lassen, indem er auf seine Lieblingsspeisen verzichtet. Ein Blick auf die Uhr genügt. Was sonst noch zu beachten ist, erklärt Patric Heizmann im folgenden Gespräch.

Herr Heizmann, Sie geben Ihren Lesern und Zuschauern Tipps für eine gesunde Lebensweise mit auf den Weg: Bewegung, gesunde Ernährung zur rechten Zeit. Wie steht es denn mit Ihnen? Haben Sie sich schon immer gesund ernährt?
„Nein! Überhaupt nicht. Bis in meine Teenagerzeit hinein habe ich mich sogar außergewöhnlich schlecht ernährt. Ich habe es nie anders gelernt. Das ist kein Vorwurf an meine Eltern. Denn früher war das Thema Ernährung nicht so präsent wie es heute der Fall ist. Ich war Haselnusscremeabhängig, habe Snickers-Brötchen gegessen und literweise Cola getrunken und zwar so exzessiv, dass ich heute keinen Schluck davon mehr trinken könnte. Ich mag es eigentlich gern sehr süß, aber mit den Jahren hat sich geschmacklich bei mir einiges verändert. Was ich sehr interessant finde. Außerdem war ich bis zu meinem 18. Lebensjahr fest davon überzeugt, dass Lyoner (Anmerk. eine Fleischwurstvariante) fettarm wäre, weil man das Fett nicht gesehen hat. Um es kurz zu machen, ich habe sehr große Ernährungsfehler gemacht.“

Es ist ja häufig so, dass besonders Kinder und Jugendliche sehr süße Sachen mögen, die sie später als Erwachsene einfach nicht mehr essen möchten. Verändert sich im Laufe des Lebens unsere Geschmackssensibilität?
„Definitiv. Mit zunehmendem Alter verändern sich unsere Geschmacksnerven. Es gibt entweder Menschen, die dann auf sehr süße Sachen mehr und mehr verzichten oder nur noch in kleinen Mengen essen. Andere wiederum desensibilisieren und können den Hunger auf Süß sogar noch steigern. Das hängt nicht unwesentlich davon ab, wie sie sich sonst ernähren. Jeder Mensch hat eine so genannte somatische – sprich körpereigene – Intelligenz. Die wird durch Bewegung geweckt. Viele Menschen essen auch, weil sie den Spaß am Leben vermissen, weil ihnen langweilig ist oder sie einsam und unglücklich sind. Die greifen dann vermehrt zu Süßigkeiten, denn die machen für eine kurze Zeit glücklich. Ein Mensch jedoch der sich die Glückshormone über die natürliche Bewegung holt, tut das nicht mehr primär über das Essen. Das Unterbewusstsein wird völlig unterschätzt.“

Wie sind Sie auf eine andere Ernährung gekommen?
„Ich habe immer Sport getrieben. Das hat mich schließlich zur gesunden Ernährung gebracht. Weil ich gemerkt habe, dass ich beim Sport nicht vorankomme. Ich fühlte mich immer irgendwie weich und schwammig, obwohl ich wahnsinnig viel Sport gemacht habe. Das hat mich sehr gewundert. Dann habe ich angefangen, mir mal ein paar Gedanken zu machen. Aber es hat noch sehr lange gedauert, bis ich etwas an meiner Ernährung verändert habe. Ich habe mich sehr kohlenhydratreich ernährt, viel Brot und Nudeln – alles Vollkorn! – Kartoffeln und ich habe darauf geachtet nur ganz wenig Fett zu essen. Nur hat das nichts gebracht. Ich kam also wieder ins Grübeln. Ich überlegte mir, woher kommt der Mensch? Wie lange gibt es ihn schon? Wie hat er sich Millionen Jahre lang ernährt? Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel wie Reis, Nudeln oder Kartoffeln gab es damals noch gar nicht. Getreide und Kartoffeln gibt es erst seit etwa acht- bis zehntausend Jahren. Ich beschloss nicht mehr der allgemeinen Auffassung zum Thema Ernährung zu folgen, sondern ein paar Komponenten meines Speiseplans umzustellen und siehe da! Plötzlich zeigten sich positive Ergebnisse.“

Der Blick auf den frühen Menschen ist auch für einen recht jungen Wissenschaftszweig interessant geworden, wenn es beispielsweise um das Thema Bewegung geht. Wie sind Sie darauf gekommen? Es handelt sich dabei ja nicht um eine sehr populäre Forschung.
„Das ist richtig. Vor etwa zehn Jahren gab es dazu eigentlich noch gar nichts. Dann stieß ich auf die Bücher „Die Logi-Methode“ und „Syndrom X – ein Mammut auf dem Teller“ von Dr. Nicolai Worm, die ich sehr aufschlussreich fand. Ich fing an zu recherchieren, wobei mir auch das Internet eine große Hilfe war. Was aber noch viel wichtiger war, ich habe mich immer wieder ausgetauscht mit Menschen, die sich schon sehr lange mit dem Thema Ernährung auseinander setzen, die auch schon sehr lange Sport machen. So hat sich mit der Zeit ein kleines Kompetenzteam um mich herum versammelt, das mich immer wieder mit neuen Erkenntnissen bekannt macht. Die ich wiederum so versuche zu erklären, dass es jeder versteht und Spaß daran hat zuzuhören oder weiter zu lesen.“

Nun haben Sie schon mehrere Ratgeber veröffentlicht und ein Kochbuch. Mal ketzerisch gefragt, braucht der übersättigte Markt die noch?
„Mal ganz im Ernst: Über Ernährung ist alles schon gesagt! Allerdings ist das in den Köpfen der meisten Menschen noch nicht angekommen. Ich habe recherchiert, wie viele Leute sich tatsächlich mit den Themen Ernährung und Bewegung auskennen. Bei der Zeitschriftenflut, die immer wieder Ernährungstipps und Diäten bringt, müssten doch lauter Experten herumlaufen. Ich glaube, im Leben eines jeden Menschen gibt es einen Schlüsselmoment, in dem er anfängt Dinge zu hinterfragen. Bei mir war es so, dass ich regelmäßig Lauf- und Krafttraining machte und dann entschied, meinen Körper einfach mal machen zu lassen. Ich habe mich nicht mehr um Aussagen gekümmert wie: Eier sind schlecht, fettiges Fleisch ist ungesund, Kohlenhydrate sind gut. Ich habe einfach gegessen was mir schmeckte und darauf geachtet, wie es mir danach ging. So hat sich nach und nach herauskristallisiert, dass mir viel Obst und Gemüse, weniger Kohlenhydrate, etwas mehr Eiweiß, auch gern mal mit etwas Fett, wesentlich besser bekommt.“

Wie kamen Sie auf die Idee daraus eine Bühnenshow zu machen?
„Das hat sich langsam entwickelt. Ich habe mit 23 Jahren angefangen in einem Fitnessstudio als Trainer zu arbeiten. Damals wurden die Leute nicht einzeln mit den Geräten vertraut gemacht, sondern – das war einzigartig – sie wurden in kleinen Gruppen eingewiesen. Das fand ich toll. So konnte ich mich schulen. Denn ich bin kein geborener Rhetoriker, im Gegenteil. Aber ich habe mich vor die Gruppe gestellt und ihnen etwas übers Training, Ernährung und Motivation erzählt. Der nächste Schritt war dann ähnliche Vorträge auch in anderen Studios zu halten und die kamen gut an. Mit der Zeit wuchs das Interesse beim Publikum an und vor etwa drei Jahren habe ich angefangen auch außerhalb der Studios solche Vorträge anzubieten. Das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht und ich habe öfter witzige Passagen ins Programm gepackt, die trotzdem noch wissenschaftlich fundiert waren. Sodass sogar die Männer, die von ihren Frauen gezwungen werden in die Show zu gehen, am Schluss begeistert sind. Das ist für mich das schönste Kompliment. Wie Menschen, die anfangs noch dasitzen mit verschränkten Armen und einem mies gelaunten Gesicht, sich mit Laufe des Abends öffnen, lachen und Spaß haben.
Ich biete den Zuschauern ein Informationsbuffet und zu Beginn des Abends sage ich ausdrücklich: Bitte nehmen Sie sich nur die Häppchen von diesem Buffet, die zu Ihnen passen, die Ihnen schmecken und auf die Sie Appetit haben. Alles andere lassen Sie einfach liegen. Weil, nur wenn die Menschen anfangen, sich zwei oder drei Dinge aus dem Abend mitzunehmen und sie umzusetzen, haben sie auch ein Erfolgserlebnis. Was sie motiviert weiterzumachen und sich generell mit dem Thema mehr zu beschäftigen.“

Warum wählen Sie für ihre Erklärungen eine einfache Bildersprache?
„Ich habe meine Einführung damals im Fitnessstudio immer sehr sachlich vorgetragen, wie ich es als Diplom-Sportmanager und Fitness-Lehrer gelernt hatte. Die Menschen haben alles schön abgenickt, fanden es wohl auch irgendwie interessant, nur verstanden haben es die wenigsten. Weil es für sie ganz weit weg von der Praxis war. Da ich direkt am Kunden dran war, konnte ich nachfragen und erfuhr, dass die Mehrheit ganz einfache Erklärungen haben wollte, sodass sie auch wirklich verstehen, worum es überhaupt geht. Sie wollten kein Wissenschaftsdeutsch.
Da kam mir die Idee, dass ich die Kohlenhydrate als Papier bezeichnen könnte und Fette als Briketts. Mit dieser leicht nachvollziehbaren Bildersprache konnte jeder etwas anfangen. Ich breche die komplizierten Sachverhalte soweit herunter, dass ich die Grundlagen vermitteln kann. Denn wer das Fundament richtig baut, kann darauf ein Haus errichten, das vielleicht nicht die dicksten Mauern hat, aber es hat eine solide Basis. Die Einrichtung des Hauses kann dann jeder individuell für sich regeln, denn es gibt ja nicht die Ernährungsgrundlage.“

Eben diese leichte Nachvollziehbarkeit fehlt den meisten Ratgebern. Ist das Ihrer Meinung nach der Grund, warum es – mal ganz abgesehen vom inhaltlichen – mit der Umsetzung nicht klappt, weil man schnell geistig aussteigt, wenn es zu kompliziert wird? Man schon hundertmal etwas über die Rolle von Kohlenhydraten gelesen hat und trotzdem nicht erklären kann, was es damit auf sich hat.
„Wir haben in Deutschland gefühlte 80 Millionen Ernährungsberater. Jeder kennt sich irgendwie aus in dem Thema. Jeder weiß es besser oder hat es schon einmal anders gehört. Die Deutschen sind europaweit am besten informiert, wenn es um die Ernährung geht. Trotzdem sind wir zeitgleich die dicksten. Da stimmt irgendwas nicht! Ich bin der Meinung, die Menschen wissen sehr wohl was oben rein- und unten wieder rauskommt. Was aber zwischendrin passiert, wissen die wenigsten.
Sie wissen z. B. nicht, dass Kohlenhydrate und Fette bevorzugte Energielieferanten sind. Dass bestimmte Fette überlebensnotwendig sind und dass wir ohne sie sterben würden. Dass wir ein völlig entgleistes Omega 3/Omega 6 Verhältnis haben, was Entzündungsprozesse im Körper hervorrufen kann. Oder, dass es unsere Laune maßgeblich beeinflussen kann, wenn uns das Immunsystem zu stark ein bestimmtes Eiweißbausteinchen wegnimmt und dass man deshalb gern ein Frustessen einschiebt.
Dann kommen die Medien und es heißt einmal Chips und Pommes sind ungesund, ein anderes Mal sind sie doch nicht so schlecht. Irgendwann ist man völlig überladen mit Informationen zu dem Thema und schaltet einfach ab. Es bleibt eine totale Verwirrung, weil jeder etwas anderes sagt. Die einen reagieren darauf mit jetzt erst recht, andere mit Enthaltsamkeit. Nur: wenig essen ist die beste Methode dick und krank zu werden! Da greift wieder dieses Urzeitprinzip. Das hat beispielsweise mit Hormonen zu tun. Denn wenn die Menschen weniger essen, wird ein ganz bestimmtes Hormon das in Fettzellen produziert wird heruntergeregelt. Damit bekommen wir deutlich mehr Hunger.“

Auffällig bei Ihrem Gesundheitsprogramm ist, dass Sie keinen Verzicht predigen. Im Gegenteil, es darf auch mal ein Latte Macchiato sein oder ein saftiger Braten.
„Aber ja. Ich liebe Latte Macchiato. Ich hatte heute schon zwei und nachher gönne ich mir noch einen dritten! Essen ist definitiv Genuss und es muss Genuss bleiben! Ich esse auch Schokolade, weil ich die liebe. Wichtig ist nur, dass man weiß, wie man es ausgleichen kann. Wir sind bald wieder in der Grillsaison. Da darf man natürlich beim Schnitzel mal zuschlagen und auch den Kartoffelsalat noch auf den Teller geben. Vielleicht noch ein paar Bierchen dazu. Ja und? Dann hat man eben seinen Spaß für einen Abend mit Freunden. Wenn man am nächsten Tag die Kohlenhydrate maximal reduziert und dafür fettarme Eiweißlieferanten mit viel Gemüse isst und dazu nur Wasser trinkt, ist das wunderbar. Es ist sogar gut für den Körper, weil er damit seinen Stoffwechsel völlig in Schwung hält. Deshalb sage ich: Genuss muss sein! Ohne Genuss hat man keine Chance lange durchzuhalten.“

Wieso klappt es eigentlich nie wirklich mit einer Diät? Es gibt häufig diesen so genannten Jojo-Effekt – die Menschen essen nach der Diät noch mehr als vorher, was sich natürlich auch auf der Waage niederschlägt?
„Zunächst einmal wissen viele Menschen überhaupt nicht, warum sie eigentlich abnehmen wollen. Wenn man nachfragt, kommt oft die Antwort, weil ich schlanker sein will oder weil ich so aussehen will wie früher. Fakt ist, die meisten Menschen machen Diäten nicht für sich selbst. Das es dann damit auch nicht klappt, liegt an einer psychologischen und einer physiologischen Komponente. Letztere haben wir schon kurz angesprochen, wer wenig isst, der zeigt seinen Organismus dass eine Hungersnot droht.
In der Steinzeit oder in Krisenzeiten bedeutete das, da wo ich lebe, gibt es nicht genug Nahrung. Mein Körper reagiert darauf, indem die Schilddrüse weniger T3 und T4 produziert. Damit schraubt der Organismus den gesamten Stoffwechsel zurück.

Zwei Dinge passieren:
1. Die Muskulatur baut sich ab. Die Muskulatur ist das größte Organ des Menschen, das 24 Stunden – also auch im Schlaf – unablässig Fett verbrennt in den so genannten Mitochondrien. Vor allem bei denen, die sich zu einer Diät nur wenig oder zu wenig bewegen.
2. Die Körperwärme geht zurück. Die Finger und Füße kühlen aus. Wenn wir uns den Körper wie eine Stadt vorstellen, sind das die Randbezirke. Und die werden deshalb ausgekühlt, weil dort die Kerntemperatur von 37°C nicht überlebensnotwenig ist. Deshalb frieren die Menschen schneller.

Das ist übrigens auch der Grund, warum wir im Sommer, wenn es 35°C heiß ist, nur mit wenig Nahrung auskommen. Weil der Körper weniger Energie verbraucht, um die 37°C Eigentemperatur zu halten. Im Winter – vor allem, wenn er so hart ist, wie im letzten Jahr – verbraucht er dafür wesentlich mehr Energie. Ich bin so froh, dass Weihnachten im Winter liegt. (lacht)“

Ist es nicht auch so, dass bei wärmeren Temperaturen gesündere Sachen wie Gemüse, Salat und Obst besser schmecken?
„Das hängt ganz klar mit der Sonne und dem Lebensgefühl zusammen. Essen fördert die Produktion von Glückshormonen wie Serotonin und Dopamin, was völlig unterschätzt wird, obwohl es so eine wichtige Funktion hat. Das Hormon Dopamin braucht Sonnenlicht. Das bedeutet, wenn man im Winter weniger Salat bekommt, holt man sich eben das Glücksgefühl über das Essen. Im Sommer bewegen wir uns draußen mehr und wer sich bewegt, der ist ein glücklicherer Mensch. Da muss das Essen dieses Gefühl nicht ausgleichen. Jemand der zwei Stunden draußen war, wird sich danach zuhause nicht auf drei Tafeln Schokolade oder zwei Stück Kuchen stürzen. Jedenfalls nicht immer. (lacht) Die Sommerwärme fördert unseren Bewegungsdrang, dem wie lieber als bei kalten Temperaturen nachkommen und das wiederum fördert unsere Glücksgefühle.
Es gibt ein ganz einfaches Urzeitmotivationsprinzip, das bei jedem Menschen funktioniert, wir versuchen alles, um negative Emotionen zu verhindern, um stattdessen so oft wie möglich positive Emotionen zu erleben. Zum Beispiel mit dem Feierabendbierchen, dem Becher Eis mit Schlagsahne oder beim Einkaufen. Wenn wir nicht wissen, welche positiven Emotionen uns nach dem Abnehmen erwarten, da also so viel Ungewissheit eine Rolle spielt, vermeiden wir es.
Nehmen wir an, Sie wären ein Mensch, der eine Diät machen möchte. Ich sage Ihnen, Sie werden unter gar keinen Umständen scheitern. Sie werden ein wesentlich glücklicherer Mensch. Sie müssen sich nur ganz genau an meine Vorgaben halten. Würden Sie es tun? Vielleicht sind Sie ja ein disziplinierter Mensch. Generell ist es aber so, dass die Menschen das Vertrauen in diese ganze Diätindustrie verloren haben. Wenn dann jemand daher kommt und sagt, ich verspreche dir hoch und heilig, du wirst dein Ziel erreichen, wenn du genau das machst, was ich dir sage. Dann wächst die Vision. Denn letztlich geht es bei Diäten darum anderen zu gefallen. Und sie versprechen sich durch das Abnehmen eine positive Emotion. Nur die harte Realität zeigt, viele erreichen dieses hochgesteckte Ziel nicht. Eine kleinere Gruppe muss aus gesundheitlichen Gründen abnehmen, da kommt noch ein psychologischer Druck der Angst dazu.“

Ist nicht das Hauptproblem, weniger die Gewichtsreduktion mit welchen Mitteln auch immer, als vielmehr das Halten des gewünschten Gewichts?
„Ja. Abnehmen kann jeder. Einfach nichts essen. Typische Diäten zielen ja auch darauf ab, dass man über einen bestimmten Zeitraum einfach auf bestimmte Kalorien verzichtet. Nur genau das schmeißt wieder unser Urzeitprogramm an. Sinngemäß ist mein Ansatz zwar eine Diät – wenn wir die griechische Bedeutung des Wortes, nämlich Lebenseinstellung, zugrunde legen. Die Menschen hierzulande assoziieren mit dem Begriff allerdings Leiden, Hungern und sich quälen. Ich sage aber, wenn man wirklich entspannt an die Sache herangeht und sich selbst nicht den Druck macht in drei Monaten die Wunschfigur zu haben, sondern langfristig denkt, geht es im Grunde nur darum, dieses uralte Essprogramm zu knacken.“

Wie erklären Sie Heißhungerphänomene beispielsweise auf Frischmilch und Vollnuss-Schokolade nach winterlichen Skitouren? Da war ja auch reichlich Bewegung an der frischen Luft.
„Dabei spielen wieder Psychologie und Physiologie eine Rolle. Bei der Physiologie ist es so, dass man draußen auf dem Hang unter permanenter Anspannung steht. Dann verliert man 40 % der gesamten Körperwärme über den Kopf und die Hände. Deshalb braucht man danach etwas Energiedichtes. Eine Schokolade mit Nüssen ist sehr energiedicht. Der andere Grund ist auch das Herdentierprinzip. Der Mensch ist ein Herdentier. Wir fühlen uns nur richtig wohl in einer Gruppe. Ein Mensch ohne andere Menschen drumherum könnte auf Dauer nicht überleben. Wenn man sieht, dass alle an die Milchbar stürmen, denkt man: Das brauche ich auch, weil die anderen es schließlich auch haben müssen. Sie kennen sicher das Tomatensaftphänomen. 90 % des weltweiten Tomatensaftkonsums findet über den Wolken in 10.000 km Höhe statt. Wenn der Nachbar sich einen bestellt, ordert man auch ganz gerne ein Glas davon. Wobei auch die Desensibilisierung der Geschmacksnerven, in dieser Höhe, dabei eine Rolle spielt.“

Sie haben in Ihrem Buch eine Ernährungsuhr abgedruckt, die zeigen soll, dass wir im Grunde nur zur rechten Zeit essen müssen, um schon einen gesunden Effekt zu erzielen. Nun gibt es auch die so genannte Organuhr, die sich darauf bezieht, zu welcher Tageszeit bestimmte Organe aktiver sind oder nicht. Hatten Sie dieses Modell dabei im Hinterkopf, als Sie die Ernährungsuhr aufgezeichnet haben?
„Nein. Das mag eine interessante Sache sein. Ich selbst habe mich damit noch nicht beschäftigt, weil mir das zu tief in die Thematik geht. Das möchte ich weder meinem Publikum in der Show noch meinen Lesern zumuten. Damit bekommt man sicher eine Gruppe motiviert, die sich schon sehr lange intensiv mit Ernährung beschäftigt hat. Mein Ziel ist es jedoch, der Masse der Menschen ein Fundament zu bauen, die ein entspannteres Verhältnis zum Thema bekommen sollen. Ich möchte, dass sie erkennen, Ernährung ist kein Hexenwerk. Letztendlich geht es bei mir darum, dass man alles essen darf – auch Schokolade, auch Kuchen und auch mal Chips. Aber zum richtigen Zeitpunkt. In Amerika nennt man das Nutrition Timing. Ich habe das aufgegriffen und die bereits bekannte Ernährungspyramide in eine Uhr umfunktioniert. Wir müssen unbedingt mal von diesem Schwarz-Weiß-Denken, alles oder gar nichts wegkommen. Wenn ich sage, wir sollten die Kohlenhydrate reduzieren, dann meine ich nicht, dass wir auf Nudeln und Kartoffeln ganz verzichten sollen, sondern dass wir sie nur früher am Tag auf dem Menüplan haben sollten.“

Ist es nicht grundsätzlich eine Frage, wie man sich selbst sieht? Wenn jemand nur 1,60 m groß ist und dabei 70 Kilo wiegt, die Proportionen stimmen und er fühlt sich wohl, ist das doch okay.
„Das finde ich völlig in Ordnung. Die Person kann auch 80 Kilo wiegen. Ich glaube auch, dass es viele Übergewichtige gibt, die deutlich fitter sind, als andere mit Normalgewicht.“

Nimmt man nicht an Gewicht zu, wenn man im Fitnessstudio trainiert, weil sich Muskelmasse aufbaut?
„Genau, aber laut dem BMI – dem Body Mass Index – ist man leicht übergewichtig. Nur hat man dabei weniger als 10 % Körperfett. Das Gewicht allein ist es nicht. Es ist vielmehr das Bild, das man von sich hat. Ich bin mir sicher, dass sich viele Menschen, die stark übergewichtig sind, schon seit Jahren nicht mehr nackt im Spiegel angesehen haben. Aber es ist wichtig, den eigenen Körper erst einmal so anzunehmen wie er ist und sich mit sich selbst zu konfrontieren. Danach kann man ein wenig Druck aufbauen und die Sache einfach mal angehen und zwar so, dass man sich die Zeit dafür lässt, die dafür nötig ist. Es ist viel besser zu sagen, ich möchte mich in zwei Jahren im Spiegel anschauen und sagen, wow – das habe ich geschafft anstelle von ich muss jetzt ganz schnell so oder so aussehen. Mit Augen zu und durch aktivieren wir nur das Urzeitprogramm.“

Neben der Ernährung spielt die Bewegung eine wichtige Rolle. Dabei – so sagen Sie – steht nicht nur die Ausdauer im Vordergrund, auch das Muskeltraining sei wichtig. Warum?
„Am allerwichtigsten ist der Spaß dabei. Ich gebe zu, Krafttraining macht nicht wirklich Spaß. Jedenfalls geht es mir so und ich mache das jetzt rund 20 Jahre. Auch ich muss mich zum Training zwingen. Das fällt mir schwer. Mein Training ist kurz aber intensiv. Ich trainiere drei- bis fünfmal pro Woche. Ich wechsle täglich ab, eine halbe Stunde Kraft, eine halbe Stunde laufen, eine halbe Stunde Kraft, eine halbe Stunde laufen …Ich weiß, wie man richtig trainiert und das gebe ich den Menschen mit auf den Weg, denn beim Training werden unheimlich viele Fehler gemacht. Viele machen irgendwelche Übungen an Maschinen und hören auf, wenn es eigentlich losgehen sollte. Ein weit verbreiteter Irrtum ist auch, das erst nach einer halben Stunde laufen Fett verbrannt wird. Was völliger Blödsinn ist.“

Wie findet man denn die richtige Sportart für sich?
„Durch ausprobieren und vor allem das Krafttraining nicht vergessen, auch wenn es nicht so viel Spaß macht. Es muss sein. Also Augen zu und durch. Dieses Gefühl, das man danach hat ist unbeschreiblich. Übrigens, es bringt nichts, den Körper nur punktuell zu trainieren. Also nur die Beine oder für einen flachen Bauch. Denn man nimmt nicht punktuell Fett ab. Ein Sixpack hat jeder Mann bereits und auch der flache Bauch ist bei jeder Frau schon da. Nur liegen die unter dem Schnitzfriedhof. (lacht) Es bringt nur was, wenn der gesamte Körper trainiert wird.“

Trainieren Männer anders als Frauen?
„Männer sind eher Einzelkämpfer, Frauen brauchen eher die Gruppe. Aber eigentlich ist das Training für Männer und Frauen vom Erfolg her betrachtet identisch, mit den gleichen Übungen und der gleichen Belastungsintensität.“

Was sollte man beachten, wenn man nun sein Leben entsprechend umstellen möchte?
„Das Beste ist mit wenigen Übungen anfangen. Man macht so viele Kniebeugen wie möglich. Ergebnis schreibt man auf. Beim nächsten Training zwei, drei Tage später macht man dann 22 Mal Kniebeugen. So lässt sich das Training langsam steigern. Es wird nicht anstrengender, denn die Kraft und die Energie wachsen ja mit. Das ist ein schlagender Beweis, wie genial einfach so ein Training sein kann und wie gut es einem danach geht. Dann mag das Training selbst zwar anstrengend sein, aber alles andere im Alltag wird einfacher, wie etwa das Treppen steigen. Es sind auch diese Alltagstipps, anstelle des Autos mal das Rad nehmen oder zu Fuß gehen, oder statt Lift die Treppen. Man kann dann einen Schritt weiter gehen und zum Beispiel jede zweite Stufe nehmen. Das ist ein einfacher Trick, wie man den Po in Form bekommt, weil der mehr arbeiten muss, wenn er aus der Gewohnheit herauskommt.“

Das heißt, man kann sich eigentlich das Fitnessstudio sparen, wenn man im Alltag mehr übt?
„Ich würde nicht sagen, dass man sich den Besuch sparen kann. Denn im Fitnessstudio hat man schon die beste Möglichkeit etwas für den Körper zu tun. Aber es muss nicht zwangsläufig sein. Je mehr man sich im Alltag bewegt und je mehr man die Kohlenhydrate reduziert, dafür das Eiweiß etwas anhebt, desto schneller kommt man schick aus dem Strumpf.“

Das Interview führte Claudia Hötzendorfer

Buch- und DVD-Tipps: (Auswahl)

Patric Heizmann
Ich bin dann mal schlank
(Draksal 2009, 154 S., € 19,95)
Ich bin dann mal schlank –Das Kochbuch
(Draksal 2010, 160 S., € 17,95)

Patric Heizmann
Ich bin dann mal schlank – DVD
(Riva 2011, 100 Min. , € 9,99)

Patric Heizmann live – „Ich bin dann mal schlank“

11.05.2014 Osnabrück – Haus der Jugend Osnabrück
12.05.2014 Düsseldorf – Savoy Theater Düsseldorf
13.05.2014 Stuttgart – Renitenztheater (ausverkauft)
14.05.2014 Witten – Werk*Stadt
16.05.2014 Frankfurt – Brotfabrik (ausverkauft)
08.09.2014 Köln – Gloria
09.09.2014 Duisburg – Grammatikoff
11.09.2014 Delmenhorst – Divarena
22.10.2014 Karlsruhe – Tollhaus
26.10.2014 München – Schlachthof
27.10.2014 Frankfurt – Brotfabrik
30.10.2014 Mannheim – Capitol
17.11.2014 Stuttgart – Renitenztheater
18.11.2014 Würzburg – Saalbau Luisengarten
25.11.2014 Hamburg – Imperial Theater
26.11.2014 Minden – Mensa der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule
27.11.2014 Berlin – Kleist-Saal Urania
28.11.2014 Potsdam – Lindenpark
29.11.2014 Leipzig – Theaterfabrik
30.11.2014 Erfurt – DASDIE Brettl

weitere Infos. http://patric-heizmann.de/proxy_ie/

© Claudia Hötzendorfer 2014 – Silent Tongue Productions

Ein Kommentar

  1. Neulich habe ich einen Ausschnitt aus seinem Programm gesehen. War wirklich unterhaltsam. Schönes Interview.

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