Interview Queenz of Piano: „Tastenspiele“ im Düsseldorfer Savoy Theater

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Kann ein Konzertflügel tatsächlich ein ganzes Orchester imitieren? Wenn die Queenz of Piano in die Tasten greifen, Saiten zupfen oder den Rahmen ihrer Instrumente als Percussion nutzen, ganz sicher. Die beiden Damen begeistern seit 2009 eine sich ständig vergrößernde Fangemeinde, längst auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. Jennifer Rüth und Anne Folger kombinieren als Piano-Duo gekonnt Musik und Humor. Im Düsseldorfer Savoy Theater gastieren die beiden mit ihrem Programm „Tastenspiele“ am 29. September. Vorab sprachen die Musikerinnen über Vorbilder, Programmideen und die Schwierigkeiten als Duo gleich zwei Flügel auf der Bühne stehen zu haben.

Die Queenz of Piano verbinden Klassik & Pop mit Comedy. - Foto: Felix Groteloh

Die Queenz of Piano verbinden Klassik & Pop mit Comedy. – Foto: Felix Groteloh

Wie haben Sie sich kennen gelernt?

Jennifer Rüth: „Wir haben uns über eine Annonce in der Neuen Musikzeitung kennen gelernt. Da stand drin: ‚Pianistin gesucht, Konzerte vorhanden’. Anne hat sich darauf gemeldet und wir haben uns an der Musikhochschule Stuttgart getroffen und das erste Mal zusammen gespielt.“

Sie haben beide ursprünglich klassisch Klavierspielen gelernt. Wie kam die Idee, Piano und Kabarett zu kombinieren?

Jennifer Rüth: „Es war eigentlich schon gleich von Anfang an klar, dass es eher leichter und lockerer werden wird. Wir hatten eine Mischung aus klassischen Stücken, aber eben auch aus unterhaltsamen Nummern. Dieses Spektrum haben wir seit 2009 nach und nach erweitert.

Anne Folger: „Wir sind beide in zwei Welten aufgewachsen, mit der Klassik einerseits und moderner Musik andererseits. Die Einflüsse waren ja da, durch unsern Freundeskreis oder die Schule. Wir haben beide auch immer moderne Interpreten gehört, ob es nun die Neue Deutsche Welle war oder Michael Jackson. Das waren schon sehr viele verschiedene Einflüsse. Da lag dann der Wunsch nahe, diese miteinander zu verbinden.“

Jennifer Rüth, Sie haben den einzigen Studiengang für Klavierduos in Deutschland bei Hans-Georg und Volker Stenzl absolviert. Was macht das Klavierspiel im Duett zu besonders?

Jennifer Rüth: „Dieser Studiengang in Rostock ist tatsächlich der einzige in Deutschland. Eine Voraussetzung ist, dass man schon als festes Ensemble dorthin kommt und man muss auch schon ein bestimmtes Grundrepertoire haben. Den Nachweis muss man in einer Aufnahmeprüfung führen, wenn bestimmte Stücke daraus für ein Vorspiel ausgewählt werden. Das heißt, man kann nicht als einzelne Musikerin dorthin. Es braucht eine lange Vorbereitungszeit und einen musikalischen Partner. Damals war ich dort mit meiner Freundin und Kommolitonin Katharina, mit ihr hatte ich ein Duo im Studium gegründet, um zusammen diese Aufnahmeprüfung zu machen.

Die Schwierigkeit beim Klavierspiel im Duett liegt bei einem punktgenauen Zusammenspiel. Wenn ein Pianist und ein Geiger zusammen spielen, können sie sich dabei sehen. Beim Flügel sitzt man sich gegenüber. Das heißt, man muss sehr gut aufeinander eingehen können, damit der Anschlag auch synchron kommt. Auch die Klangfarbe ist gleich. Das erfordert viel Übung und Vorbereitung.“

Wie lange proben Sie?

Jennifer Rüth: „Wir proben in verschiedenen Phasen, da wir in München und in Freiburg wohnen. Wenn wir ein neues Programm vorbereiten erarbeitet jeder seinen Part mehr oder weniger allein. Dann treffen wir uns in einer der beiden Heimatstädte oder wir haben auch gute Beziehungen zum Klavierhaus Klavins in Bonn, die uns immer in ihrem Vorführungsraum proben lassen. Wenn wir auf Tour sind, versuchen wir an den Spielstätten vormittags noch Proben einzuschieben.“

Wie entstehen die Ideen zu Ihren Programmen?

Jennifer Rüth: „So ein Programm hat meisten ein- bis eineinhalb Jahre Vorlaufzeit. Bei dem neuen Programm, gab es ein Motto, das wir auch als Programmnamen übernommen hatten. Das war „verspielt“. Dabei ging es uns darum zu zeigen, was in der Musik aus Zufall oder Fehlern heraus passieren kann. Das bildet gewissermaßen den roten Faden für das gesamte Programm, um den herum wir die einzelnen Stücke bauen.“

Seit 2009 sind Anne Folger und Jennifer Rüth als Queenz of Piano auf Tour. - Foto: Queenz of Piano

Seit 2009 sind Anne Folger und Jennifer Rüth als Queenz of Piano auf Tour. – Foto: Queenz of Piano

Wie schwer ist es, als Klavierduo auf Tour zu gehen? In der Regel ist es schon nicht so einfach, ein gutes Piano vor Ort zu haben, geschweige denn zwei.

Anne Folger: „Wir hatten das große Glück, während einer unserer Tourneen einen Klavierbauer aus Ibbenbüren kennen zu lernen. Seitdem arbeiten wir mit ihm zusammen. 80 Prozent unserer Tourneen begleitet er inzwischen und versorgt uns dann mit einem zweiten Flügel. Es gibt aber auch Veranstalter vor Ort, die noch einen zweiten Flügel organisieren. Viele Häuser haben auch zwei Säle mit jeweils einem Flügel, die dann für das Konzert zusammengestellt werden können. Das funktioniert inzwischen in der Regel sehr gut. Das ist nur am Anfang immer etwas mehr Organisationsaufwand, als bei einem einzelnen Flügel.“

Einfach mal laienhaft nachgefragt, was macht denn den Unterschied aus zwischen einem Flügel und einem Klavier? Sie könnten als Duo doch auch auf einem Klavier spielen und sich dabei vielleicht besser sehen?

Anne Folger: „Konventionell gesehen, hat ein Flügel ein sehr viel größeres Klangspektrum als ein Klavier, weil die Saiten meistens länger sind, vor allem bei Konzertflügeln. Durch den offenen Korpus gibt es noch ein paar technische Details, die zu unterscheiden sind. Zum Beispiel fallen die Hämmer nach unten, dadurch gelingen etwa Repetitionen besser. Bei uns kommt noch hinzu, dass wir ja nicht nur konventionell auf den Flügel spielen, sondern ganz unterschiedliche Spielpraxen haben. Dabei haben wir uns teilweise von John Cage inspirieren lassen. Wir zupfen beispielsweise auch mal die Saiten oder benutzen verschiedene Präparationen mit denen wir gut in ein Stück eingreifen können. Da wären wir bei einem Klavier sehr viel eingeschränkter.“

Haben Sie Vorbilder?

Jennifer Rüth: „Auf jeden Fall. Bei den Präparationen zum Beispiel John Cage, der das Ganze ja etwas mehr avangardistisch gemacht hat, um die Klänge und unterschiedlichen Stilistiken dadurch zum Tragen zu bringen. Im eher humorigen Bereich mag ich Hans Lieberg sehr gern. Wen ich auch ganz toll finde, ist Viktor Borge. Ein amerikanischer Däne, der in den frühen 1950er Jahren die Klassik mit als einer der Ersten locker präsentiert und damit eigentlich Musik-Comedy gemacht hat.“

Anne Folger: „Ich mag im internationalen Bereich noch die Mozart Group, ein Quartett, das ursprünglich aus Polen kommt. Die haben einen sehr feinen – non verbalen – Humor.“

Jennifer Rüth, Sie arbeiten auch in anderen Projekten, stehen mit Chris DeBurgh, Ronan Keating oder als Muscial-Sängerin auf der Bühne. Sind die Queenz of Piano ein zweites Standbein für Sie oder schon eine Herzensangelegenheit?

Jennifer Rüth: „Queenz of Piano ist unser Hauptprojekt. Wir haben im Jahr zwischen 80 und 100 Konzerte, sowohl deutschlandweit als auch international. Damit sind wir wirklich gut beschäftigt, da wir ja auch Probentage und Programmvorbereitungen mitrechnen müssen. Da bleibt gar nicht viel Zeit für andere Projekte. Die können dann wirklich nur nebenbei laufen. Es kommt schon mal vor, dass man mit einer Jazzband einen Abend bestreitet, aber die Queenz sind schon unser Baby.“

Was wird das Publikum morgen Abend im Düsseldorfer Savoy Theater erwarten?

Jennifer Rüth: „Unser aktuelles Programm ‚Tastenspiele’. Wir haben am 22. Oktober in Stuttgart mit unserem neuen Programm ‚Verspielt’ Premiere. Deshalb spielen wir momentan beide Programm parallel.“

Die Queenz of Piano haben auch ein Album veröffentlicht. Basiert die Zusammenstellung auf einem Ihrer Programme?

Jennifer Rüth: „Da unserer Bühnenshows sehr viel vom Wortwitz leben und es sich ja um eine reine Musik-CD handelt, haben wir Stücke aus zwei Programmen zusammengestellt, aus ‚Tastenspiele’ und dem Vorgänger ‚Tastatour’.

Das Interview führte Claudia Hötzendorfer

 

Die Queenz of Piano live:

  1. September Düsseldorf/Savoy Theater

weitere Termine unter http://www.queenz-of-piano.de/htdocs/dates.php

 

 

 

© 2016 by Claudia Hötzendorfer – Silent Tongue Productions

 

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