Interview: Wim Wenders über „Kathedralen der Kultur“

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Wenn Gebäude wie die Berliner Philharmonie oder das Centre Pompidou in Paris sprechen könnten, was würden sie wohl erzählen? Sechs Regisseure darunter Robert Redford, Wim Wenders und Michael Madson haben sich auf die Suche nach Antworten begeben und lassen in Episoden jeweils ihr Lieblingsbauwerk zu Wort kommen. Die daraus entstandene Dokumentation „Kathedralen der Kultur“ feiert am kommenden Mittwoch, 28. Mai, in Atelier Kino Düsseldorf mit Wim Wenders Premiere. Vorab sprachen wir mit dem Regisseur und Fotograf über sein gewähltes Objekt und nach seiner für einen Oscar® nominierten Dokumentarfilm „Pina“, die erneute Arbeit mit der 3D-Technik.

Gab es Vorgaben, in Bezug auf die Auswahl des Objektes, das vorgestellt wird oder die Herangehensweise?

„Die Vorgaben waren einfach: es muss in 3D gedreht werden. In dem Verfahren, das wir auch für „PINA“ gewählt haben, der so genannten „natural depth method“. Das Gebäude soll für sich selber sprechen, im wahrsten Sinne des Wortes, und es muss sich um einen Ort handeln, den zu besuchen sich auch für ein größeres Publikum lohnt. Den Titel „Kathedralen der Kultur“ wollten wir in den sechs portraitieren Häusern schon irgendwie wieder finden.“

 

War Ihnen gleich klar, dass es die Berliner Philharmonie sein würde?

„Ja. Ich wollte gerne in Berlin drehen, und da gab es zur Philharmonie für mich nur eine Alternative: die Staatsbibliothek nebenan, auch von Hans Scharoun gebaut. Aber weil ich dieses wunderschöne Haus schon einmal erkundet hatte – im Film „Der Himmel über Berlin“ hatte es als ‚Wohnsitz’ unserer Engel gedient – habe ich mich diesmal sofort und ohne großes Zögern für die Philharmonie entschieden.“

 

Was fasziniert Sie an dem Bauwerk?

„50 Jahre alt, ist die Philharmonie immer noch erstaunlich modern und richtungweisend. Menschen, die da heute zum ersten Mal reinkommen, sind immer noch überwältigt. Um Musik zu hören, gibt es nach wie vor kaum einen schöneren Ort. Und für nichts anderes hat Hans Scharoun die Philharmonie gebaut: für das uneingeschränkte Vergnügen, Musik so gut wie möglich aufführen und rezipieren zu können. Viele Häuser weltweit haben seine revolutionäre Idee, das Orchester in den Brennpunkt der Konzerthalle zu stellen, seitdem kopiert oder variiert.“

 

Der Zuschauer bekommt die Möglichkeit hinter die Kulissen zu schauen. Wie war das für Sie während des Drehs? Gab es Dinge, die Sie überrascht haben oder die auch für Sie neu waren?

„Seit ich die Philharmonie als junger Mann gesehen habe, habe ich mir immer gewünscht, da mal auf dem Dach stehen zu können, auf diesem wunderbar geschwungenen Zirkuszeltdach unter dem Himmel von Berlin. Diesen Wunsch habe ich mir jetzt selbst erfüllt, und als Zuschauer dürfen Sie jetzt da mit drauf, ohne dass es Ihnen schwindelig wird, und die ziemlich einzigartige Aussicht und Architektur genießen.“

 

Sie haben durch „Pina“ schon viel Erfahrung mit 3D. Wie war die Arbeit mit dieser Technik nun für diesen Film?

„Es war ein großes Glück, die neue dreidimensionale Bildsprache bei einem Projekt zu entdecken, was über den Tanz schon so eine große Affinität zu 3D hatte. „Pina“ wäre ja nie gemacht worden, wenn ich nicht endlich das richtige Handwerkszeug bekommen hätte, um das Tanztheater der Pina Bausch adäquat filmen zu können. Beim Drehen haben wir aber schon gemerkt, etwa in den Industriebauten der Zeche Zollverein in Essen, dass auch Architektur wunderbar in dem neuen Medium gezeigt werden könnte. Und so führen wir unser Publikum mit der Filmserie „Kathedralen der Kultur“ wirklich so in diese Gebäude hinein, dass Sie diese erleben können, als ob sie sich selbst darin bewegen würden. Sie können im wahrsten Sinne des Wortes durch die Philharmonie schweifen, oder durch das Centre Pompidou in Paris, oder die Nationalbibliothek in Sankt Petersburg, um nur ein paar unserer „Kathedralen“ zu nennen.“

 

Am Mittwoch, 28. Mai, hat die Dokumentation „Kathedralen der Kultur“ im Atelier Kino Düsseldorf, Graf-Adolf-Str. 47, in Anwesenheit von Wim Wenders Premiere. Beginn: 20 Uhr.

 

Das Interview führte Claudia Hötzendorfer

 

weitere Infos zum Film und Vorführungen:

http://www.kathedralenderkultur-derfilm.de

http://www.filmkunstkinos.de

 

 

© 2014 by Claudia Hötzendorfer – Silent Tongue Productions

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