Margarethe von Trotta dreht in Düsseldorf: Die abhandene Welt

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Die Regisseurin ist in Kaiserswerth aufgewachsen. An ihre Zeit bei den Diakonissen erinnert sich die 72-jährige mit gemischten Gefühlen: „Die waren sehr streng und ich eine echte Rebellin. Die Äbtissin hat mir gesagt, wenn du so weiter machst, geht es mit dir begab.“

Doch das Gegenteil traf ein. Den Anfang machte ein Kunststudium in Düsseldorf. „Ich habe Gerhard Richter und Sigmar Pollke kennen gelernt“, erinnert sie sich an diese Zeit. Zwar hätten sich mit den Jahren die Wege getrennt, aber sie habe die Arbeit der beiden immer verfolgt. Nächste Station war München und dort wurde dann auch der Grundstein für ihre Filmkarriere gelegt. Zunächst als Schauspielerin, bald schon parallel als Regisseurin und Drehbuchautorin machte sich Margarethe von Trotta einen Namen.

Zwei Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr künstlerisches Schaffen: Geschichten über Schwestern und Portraits historischer Frauenfiguren wie Rosa Luxemburg, Hannah Arendt oder Hildegard von Bingen.

„Ich hatte das Gefühl, die Leute erwarteten von mir wieder einen historischen Film. Aber diesmal wollte ich zurück zu meinem Schwestern-Thema“, stellt die gebürtige Berlinerin am Anfang des Gesprächs über ihre aktuelle Arbeit klar. Neben Barbara Sukowa, die in vielen Trotta-Produktionen mitwirkte, stehen diesmal auch Katja Riemann, Karin Dor, August Zirner und Matthias Habich vor der Kamera.

Im Film wird die Diakonie Kaiserswerth das Altenheim Haus Magnolia sein. Dafür wurden zwei Räume und ein Flur des Luise Fliedner Hauses auf dem Gelände entsprechend umgestaltet. Weitere Aufnahmen entstehen in der Umgebung. Dazu meint die Regisseurin: „Ich liebe den Rhein und wollte die Landschaft unbedingt einmal zeigen.“ Und zwar so, dass sie als solche auch erkannt wird. Denn häufig entstehen Aufnahmen für Filme, etwa für ihre Hannah Arendt Biografie oder eine Action-Szene mit einem Dachsprung aus Tom Tykwers Der Krieger und die Kaiserin auf dem Gelände der Diakonie, die dann aber in der Geschichte ganz woanders spielen sollen. Im Fall von Hannah Arendt beispielsweise in New York.

Für Die abhandende Welt schrieb Margarete von Trotta auch das Drehbuch. Sie erzählt die Geschichte von Paul (Matthias Habich), der durch Zufall im Internet das Foto der amerikanischen Opernsängerin Caterina Fabiani (Barbara Sukowa) findet, die seiner verstorbenen Frau wie aus dem Gesicht geschnitten scheint. Mit dieser Entdeckung wird nicht nur sein, sondern auch das Leben seiner Tochter Sophie (Katja Riemann) durcheinander gewirbelt, die in Düsseldorf ihre Brötchen als Sängerin verdient.“

2015 kommt Die abhandende Welt in die deutschen Kinos.

Claudia Hötzendorfer

© Claudia Hötzendorfer 2014 – Silent Tongue Productions

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