Premiere: Dokumentarfilm Krieg und Spiele in Düsseldorf

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Was haben ein ehemaliger Modellflugmeister der DDR, Dave Anthony, Entwickler des Computer-Spiels Call of Duty und ein Professor für Nano-Architektur gemeinsam? Sie alle haben Zukunftsvisionen, ob nun konkret oder virtuell, mit Quadrocoptern, futuristischen Waffen oder künstlicher Intelligenz. Die Filmemacherin Karin Jurschick begibt sich in ihrem Dokumentarfilm Krieg und Spiele, der in Düsseldorf Premiere feierte, auf Spurensuche. Dabei stellt sie unbequeme Fragen und zeigt, wie real so manche Fantasie bereits geworden ist.

Big Brother is watching you. - Foto: Bildersturm

Big Brother is watching you. – Foto: Bildersturm

Ein Junge spielt mit seinem ferngesteuerten Flugzeug. Plötzlich gerät er ins Visier einer Drohne, die ihn aus der Luft verfolgt … Die Situation könnte aus dem Ruder laufen, denkt der Zuschauer unweigerlich und stellt sich die Frage, wohin die totale Überwachung und das, was die Technik alles so möglich macht, wohl führen wird.

Fragen, die sich auch Karin Jurschick gestellt hat und die den Anstoß gaben für ihren neusten Dokumentarfilm Krieg und Spiele.

Blick hinter die Kulissen

Karin Jurschick konnte einen Blick in die Werkhalle von General Atomics werfen. - Foto: Bildersturm

Karin Jurschick konnte einen Blick in die Werkhalle von General Atomics werfen. – Foto: Bildersturm

Karin Jurschick hat Geduld und die zahlt sich am Ende aus. Die Filmemacherin durfte dorthin, wo Kameras und neugierige Fragen normalerweise nicht erwünscht sind. Schaut beispielsweise einem israelischen Soldaten über die Schulter, der per Joystick unbemannte Drohnen steuert und aufgrund der Überwachung aus luftiger Höhe Entscheidungen über Leben und Tod fällt.

Darf in die Werkhalle von General Atomics, wo die Prototyen unbemannter Drohnen hergestellt werden und staunt.

Die unbemannten Kriegsroboter der Zukunft sind nach dem Vorbild von Tieren gebaut. Perfekte Maschinen, die im Wasser, an Land und in der Luft die Bewegung jeder Maus und jedes Menschen erfassen. Und sie können töten. Autonom. Diese technische Entwicklung verändert jetzt schon die Kriege und unsere Vorstellungen von Ethik und Moral. Unsere Stellung als Menschen in der Welt. Werden am Ende die Maschinen sogar die besseren Entscheidungsträger?

Virtuell und autonom

Karin Jurschick besucht Forscher in ihren Laboren und Militärs, „Think Tanks“, in denen Philosophen, Ethiker, Historiker und Militärwissenschaftler über Möglichkeiten und „Moral“ der neuen Kriegswaffen nachdenken. Und sie schaut jungen Computerspielern über die Schulter, für die es selbstverständlich ist, ihren Körper und ihre Fähigkeiten virtuell und gefahrlos zu erweitern. Trifft Piloten, die lernen müssen, mit ganz neuen Anforderungen fertig zu werden: einer großen Distanz zum Geschehen und gleichzeitig einer neuen „Intimität“ des Tötens, wenn sie ein menschliches „target“ über Wochen heimlich beobachten. Bei Ausbildern, die darin unterrichten, Bilder zu lesen, die weit entfernt entstanden sind, um dann unter Umständen tödliche Entscheidungen zu treffen. Menschen, die mit und unter den neuen Kriegstechnologien leben.

Viel Diskussionsstoff

Durch die Distanz ensteht eine neue "Initmität" des Tötens. - Foto: Bildersturm

Durch die Distanz ensteht eine neue „Initmität“ des Tötens. – Foto: Bildersturm

Keine Frage, der Film birgt sehr viel Diskussionsstoff. Das sahen auch die Zuschauer im Düsseldorfer Bambi-Kino bei der Premiere so. Im Anschluss an die Vorführung stellte sich Karin Jurschick ihren Fragen, Anregungen und ihrer Kritik.

Ihre Dokumentation ist zum einen eine Momentaufnahme des Ist-Zustandes und gleichzeitig der Blick in eine Zukunft, die nicht nur Call of Duty-Entwickler Dave Anthony zu der Überlegung bewegt, ob wir all die technologischen Möglichkeiten wirklich brauchen und haben wollen. Auch der Nano-Architekt James Gimzewski, der ein künstliches Gehirn entwickelt, muss sich eingestehen, dass das menschliche Gehirn nicht für immer wiederkehrende Abläufe gemacht ist. So sehr die Tüftler auch basteln, sie orientieren sich immer an Formen und Abläufen aus der Natur. Und die ist perfekt. Yvonne Hofstetter – Geschäftsführerin eines Unternehmens für maschinelle Lernverfahren – bringt es schließlich auf den Punkt, wenn sie unkt: Es könne passieren, dass die Maschinen eines Tages so intelligent sind, dass sie den Menschen als Störfaktor erkennen und als überflüssig ansehen….    

Claudia Hötzendorfer
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Krieg und Spiele

Verleih: RealFiction

Start: 18. August

Länge: 90 Min.

Regie: Karin Jurschick

Infos zum Film und Trailer unter:

http://www.realfictionfilme.de/filme/krieg-und-spiele/index.php

 

© 2016 by Claudia Hötzendorfer – Silent Tongue Productions

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